EnergieausweisDer österreichische Energieausweis enthält viele interessante Kennwerte eines Gebäudes, wie zum Beispiel über die Wärmedämmung. Er liefert Daten über die Energieeffizienz von Liegenschaften und ist in Österreich durch das Energieausweisvorlagegesetz (EAVG) verpflichtend. Seit 2012 wird in neuen Ausweisen auch der Gesamt-Energie-Effizienz-Faktor (fGEE) angeführt. Dieser gibt den Vergleichswert mit einem ähnlichen Gebäude an. Energieausweise können nur von speziell qualifizierten Person mit einer entsprechenden Weiterbildung ausgestellt werden.

In der Regel ist der Energieausweis zehn Jahre gültig. Alte Energieausweise, die vor 2012 ausgestellt wurden und somit keinen Gesamtenergieeffizienzfaktor beinhalten, sind noch bis 2024 gültig und laufen dann aus. Der Energieausweis kann in Österreich nicht verlängert werden, sondern es bedarf einer neuen Beantragung.

Nachfolgend finden Sie Informationen über den Energieausweis sowie über die Rechte und Pflichten, die der Ausweis für Immobilieneigentümer, Mieter und Immobilienverkäufer in Österreich mit sich bringt.

Wann ist der Energieausweis Pflicht?

Seit 2012 ist der Energieausweis für fast alle Immobilieneigentümer in Österreich obligatorisch. In Besitz eines Energieausweises seiner Immobilie muss der Eigentümer sein bei:

  1. allen neuen Gebäuden – bereits beim behördlichen Bauverfahren
  2. umfassenden Sanierungen, Zubauten und bei Umbauten von Bestandsgebäuden
  3. dem Verkauf, der Verpachtung oder der Vermietung von Häusern, Wohnungen, Büros sowie Betriebsobjekten

Für angehende Immobilieneigentümer ist der Energieausweis eine Entscheidungshilfe, da dieser interessante Informationen über das favorisierte Objekt liefert. Möchten Sie eine Liegenschaft kaufen oder mieten, können Sie im Vorfeld zwei Rechte vom Immobilieneigentümer einfordern:

Zum einen muss Ihnen bereits vor Vertragsabschluss der Energieausweis der Immobilie vorgelegt werden. Zum anderen muss Ihnen im Falle eines Kaufs innerhalb von 14 Tagen nach Vertragsabschluss der Energieausweises oder eine vollständige Kopie ausgehändigt werden. Für Einfamilienhäuser ist außerdem erlaubt, einen Energieausweis eines vergleichbaren Gebäudes auszustellen. Wenn es sich nur um eine Wohnung handelt, reicht ein Energieausweis für das gesamte Gebäude.

Was kostet der Energieausweis?

Die Kosten für den Energieausweis sind in der Österreich nicht festgelegt. Die Preise variieren daher je nach Angebot des Ausweis-Erstellers. Im Objektbereich, also bei vielen ähnlichen Wohnungen in einem Mehrfamilienhaus, fallen die Kosten meist geringer aus als bei Häusern. Denn für Einfamilienhäuser muss mindestens mit dem doppelten gerechnet werden. Dies gilt besonders für Altbauten, die durch viele unterschiedliche Bauteile und schlechten Bauplänen die Kosten deutlich in die Höhe treiben.

Allerdings wäre das Risiko, keinen Energieausweis vorzulegen, viel zu hoch im Vergleich zu den Kosten für die Erstellung eines Ausweises. Wenn Sie also Ihre Immobilie verkaufen oder vermieten möchten, sollten Sie unbedingt einen Ausweis vorlegen, um nachfolgende Forderungen zu vermeiden.

Seit Ende 2012 können Immobilienkäufer und Mieter den Energieausweis einklagen oder einen Ausweis erstellen lassen. Die dadurch entstandenen Kosten können innerhalb von drei Jahren zurückgefordert werden. Der Immobilieneigentümer muss diese Kosten erstatten. Ein Versäumnis stellt eine Verwaltungsübertretung dar und kann bei einer Anzeige mit bis zu 1500 Euro bestraft werden.

Welche Kennwerte werden im Energieausweis berücksichtigt?

EnergieausweisIm österreichischen Energieausweis werden verschiedene Kennwerte berücksichtigt, die Aufschluss über die Immobilie geben können. Die Hauptkennzahl ist der Heizwärmebedarf. Dieser gibt an, wie hoch der zu erwartende Wärmebedarf pro Jahr für die Beheizung eines Objekts (in Kilowattstunden pro Quadratmeter beheizter Bruttogrundfläche) bei einem gewöhnlichen Nutzerverhalten ist.

Der Energieausweis hilft, die Energieeffizienz von Liegenschaften auf einen Blick beurteilen zu können, da er Informationen über die Höhe des Energiebedarfs liefert. Er dokumentiert die Gesamtenergieeffizienz des Gebäudes mittels folgender Kennwerte:

  • thermische Gebäudehülle (Wärmedämmung, Luftdichtheit, Standortaußenklima)
  • Heizungsanlage
  • Warmwasserversorgung
  • Mechanische Be- und Entlüftung
  • Kühlung
  • Elektrische Beleuchtung und
  • Innenraumklimabedingungen

Diese Unterlagen brauchen Sie für den Energieausweis:

Um einen Ausweis in Österreich erstellen zu können, benötigt der Berater einige Unterlagen. Bei Neubauten ist dies in der Regel einfach, da alle erforderlichen Daten in den neuen Einreich- oder Bauplänen zu finden sind. Bei Bestandsgebäuden können Sie mit Hilfe dieser Checkliste prüfen, ob Sie alle benötigten Unterlagen besitzen:

  • Bauplan / Einreichplan mit Baujahr
  • Bauteilbeschreibungen der thermischen Hülle
  • Hat das Haus einen Balkon, unter dem ein Wohnraum liegt?
  • Existiert ein Außenbereich, über dem ein Wohnraum liegt?
  • Wird der Keller beheizt und als Wohnraum genutzt?
  • Bleiben die Abseitenräume im Dachgeschoß unbeheizt?
  • Grenzt das Objekt direkt an eine Garage?
  • Weist das Haus Deckensprünge auf?
  • Grenzt der beheizte Bereich an einer Stelle direkt an das Erdreich?

Wie sehen die neun Energieklassen für Gebäude aus?

Als Verbraucher kennt man die Einteilung in Energieklassen bereits von Kühlschränken und anderen Elektrogeräten. Die Energieklassen sollen Energieverbrauch und -bedarf eines Gebäudes deutlich darstellen, damit Verbraucher einen schnellen Überblick über die Energiekennwerte einer Immobilie bekommen. Es gibt neun Klassen von A ++ (sehr effizient) bis G (hoher Energiebedarf). Genaue Angaben sind zwar erst nach einer Prüfung des jeweiligen Objekts möglich, die Klassen entsprechen aber in etwa der folgenden Unterteilung:

  • A: Mehrfamilienhaus Neubau
  • B: Einfamilienhaus Neubau
  • C: Einfamilienhaus energetisch gut modernisiert
  • E: Durchschnitt Wohngebäudebestand
  • F: Mehrfamilienhaus energetisch nicht wesentlich modernisiert
  • G: Einfamilienhaus energetisch nicht wesentlich modernisiert

Wer stellt den Energieausweis aus?

Das österreichische Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (BMWA) hat festgelegt, welche Gewerbetreibende und Ziviltechniker zur Ausstellung von Energieausweisen berechtigt sind. Dazu zählen Baumeister, Elektrotechniker, Gas- und Sanitärtechniker, Heizungstechniker, Kälte- und Klimatechniker, Lüftungstechniker und Holzbau-Meister. Auch Ingenieurbüros der Bauphysik, Elektrotechnik, Gebäudetechnik, Innenarchitektur, technischen Physik, Umwelttechnik, Verfahrenstechnik und des Maschinenbaus sind qualifiziert und somit berechtigt, Energieausweise zu erstellen:

Berechtigt sind auch die Ziviltechniker mit einschlägiger Befugnis. Dazu zählen insbesondere Architekten, Zivilingenieure und Ingenieurkonsulenten für Bauingenieurwesen, Wirtschaftsingenieurwesen, Technische Physik, Verfahrenstechnik, Maschinenbau sowie für Gebäudetechnik.